Vielerorts in Europa und innerhalb Deutschlands feiern Millionen Menschen alljährlich am letzten Mai- Freitag des Monats ihre Nachbarschaft.

Die Idee entstand 1999 in Frankreich. Schnell fand der Tag auch in anderen europäischen Ländern Anklang, bis im Jahr 2004 offiziell der “European Neighbors’ Day” ins Leben gerufen wurde.
Am Freitag, dem 23. Mai, war in diesem Jahr bundesweit „Tag der Nachbarschaft“: Ein bunter Aktionstag, der Nachbar:innen den idealen Anlass bot, sich kennenzulernen, Freundschaften zu schließen und das Miteinander zu feiern.
Die Vorstellung war und ist, dass sich jedes Jahr am Aktionstag in ganz Deutschland hunderttausende Menschen bewusst Zeit nehmen, um ihre Nachbar:innen kennenzulernen und zu treffen, sich auszutauschen und Gemeinschaft zu fördern; gemeinsam eine gute Zeit zu verbringen; Vereinsamung und sozialer Spaltung vorzubeugen.
Natürlich ist dies an jedem anderen Tag möglich und wertvoll und es gab sicherlich Zeiten, zu denen „ein Aufruf“ zu solch Aktionen gar nicht „notwendig war“.
Der Schwatz vor dem Hauseingang, die gemeinsame „Flaschen-Gläser-Altpapier“ oder Müll-Sammel-Aktion, der gemeinsame Skat- oder Rommé-Abend und das Feierabend-Volleyball-Spiel waren gang und gäbe.
Die gemeinnützige Organisation „nebenan.de Stiftung“ rief nunmehr bereits seit 2018 zum 8. Mal in Folge Menschen in ganz Deutschland dazu auf, am letzten Freitag im Monat Mai Aktivitäten und kleine Feste in der eigenen Nachbarschaft zu veranstalten.
Im Bad Belziger Stadtteil „Klinkengrund“ wurde der „Nachbarschaftstag“ nunmehr 4 Jahre hintereinander angeregt.
Diesjährig hatten sich teilnehmende Institutionen entschlossen, den Veranstaltungstag im Klinkengrund auf den 13.6.25 zu verlagern, da der 30.5.25 nach dem Himmelfahrtstag und der 1. Juni-Freitag vor dem Pfingstwochenende lag.
Es sollte auch für Menschen, die an o.g. Wochenenden verreisen wollten, möglich sein, sich aktiv zu beteiligen. Ganz unter dem Motto: „Klinkengrunder:innen FÜR Klinkengrunder:innen“/“Klinkengrunder:innen MIT Klinkengrunder:innen“.
Das Engagement einiger sozialer Träger, der rüstigen Senior:innen um Ulla, Vermieter, Dienstleister u.a. Anbieter und Projekte war wieder groß; die Kooperationen sind verlässlich und wohlwollend.
Allesamt haben mit ihrer Präsenz, ihren Ideen, ihrer aktiven Beteiligung und Gesprächsbereitschaft wiederholt einen Beitrag des Vorausgehens, der Verstärkung von Einladung und Ermutigung geleistet.
Mehrere Stellen des Stadtviertels verwandelten sich nachmittags in lebendige Treffpunkte.
Neben Tanz und Mitmachaktionen gab es im verkehrsberuhigten Bereich der Goethestraße einladende Stände der APM, der Salus-Ambulanz, der „Volkssolidarität“ mit Glücksrädern und Infomaterialien. Der Basteltisch des Familienzentrums der AWO „am TRollberg“ lockte mit Blüten-Bastelei und bei der „MitMachwerkstatt“ ging es handwerklicher zu.
Stadtwerk-Vertreterinnen und die Geschäftsführerin der BEWOG sorgten mit einem Wasserspender für Erfrischung und waren pro-aktiv und gutgelaunt gesprächsbereit.
Ein besonderes Highlight war wieder der Auftritt der Cheerleader-Mädels im Seniorenwohnpark – eine liebgewonnene Tradition, die für strahlende Gesichter der betagten Bewohner:innen sorgte. Sehr wenige Nachbarn, einige aus dem benachbarten Wohnblock der Hans- Marchwitza Straße 25 und einige ehemalige Angehörigen schauten vorbei.
Die Kaffeetafel der Seniorinnen am „Goethe“-Brunnen lud zum Verweilen und Plaudern ein; ebenso wurde durch die Ergotherapie-Praxis Mahler auf der angrenzenden Wiese ein anregender Barfußpfad aufgebaut. Tänzerin Annette Peters animierte zum Mittanzen.
Herzlich einladend zeigte sich auch wieder die Begegnungsstätte „Klinke 1“: verantwortungsbewusste Nutzer:innen derselbigen, fleißige Bäckerinnen und die Quartiersmanagerin spendierten Kaffee und selbstgebackenen Kuchen; für die Kinder reisten die städtischen “Jugendarbeiter” mit einer Hüpfburg an und arbeiteten im Akkord am Waffeleisen.
Fädel- und Handarbeitstische vom ansässigen Grundbildungszentrum und „Häkel- Fee“ Bärbel werteten die heitere Stimmung vor der Begegnungsstätte auf. Auch Schüler:innen der Deutschlern-Werkstätten kamen zu Besuch; einige Besucher:innen aus anderen Stadtteilen ebenfalls.
Aus der „Zukunftsschusterei“ beteiligte sich Philip Schwerdfeger mit einer Torschuss-Wand im Soccer-Court.
Ihren Outdoor- Auftakt im Quartier gab die Kreismusikschule und lud mit zahlreichen Lehrenden, Mitgliedern des Kinderorchesters und großer Auswahl an Instrumenten zum Ausprobieren und Lauschen ein. Der auch sonst gern genutzte Spielplatz in der Erich-Weinert- Straße wurde so noch attraktiver.
Bereits im Vorfeld wurde das Thema „Nachbarschaft“ aktiv thematisiert und angeregt: beim Familienzentrum des WIR e.V. z.B. gab es die Möglichkeit, für seine Nachbarn Karten zu schreiben oder Kekse zu backen. Die Resonanz war gemischt; auch hier zeigte sich Brisanz.
Die KITA „Tausendfüßler“ erstellte laminierte „Tausendfüßler“- Tafeln und Stempelkarten und regte damit ihre Familien zur kleinen Wanderschaft „von Spot zu Spot“ an.
Ein großes Dankeschön gilt den Vorbereitern und Machern!
Ob aus eigenem Antrieb und Interesse Bewohner:innen abseits des Trubels die Initiative ergriffen, ist nicht bekannt.
Einladende Plakate hingen jedenfalls in jedem Klinkengrunder Hausflur.
Aus den Reihen der Lehrerinnen, die regelmäßig in der „Klinke 1“ unterrichten, kam allerdings das Feedback: „Ich hatte ganz deutlich – im Unterschied zu den letzten Jahren – den Eindruck, dass der „Tag der Nachbarn“ bei einem größeren Publikum ankommt, also auch von zufällig Vorübergehenden wahrgenommen und freundlich/erfreut zur Kenntnis genommen wird.“
Wie jedes andere Fest, jede andere Möglichkeit von Veranstaltung/Aktivität kann zwar angeregt und vorgeschlagen werden; „es“ muss aber auch gewollt, als stimmig, bereichernd und angemessen erachtet werden.
Ein “Tag der Nachbarschaft” ist ein Gemeinschaftsprojekt vieler Bewohner:innen, welches durch inspirierte Menschen selbst ausgehen kann und lebt vom Selber- und Mitmachen; vom sich Einbringen. Ob an einem Freitag, dem darauffolgenden Wochenende oder dem Monat danach.
„Von außen“ (von vereinzelten Senior:innen, Fachkräften und der nebenan.de Stiftung) können nur Information, Inspiration, Anregung, Unterstützung, kostenlose „Mitmachmaterialien“ und vorbildhaftes Tun angeboten werden.
Vielleicht werden nunmehr gesetzte Samen in 2026 EIGENSTÄNDIG im Klinkengrund oder andernorts in Bad Belzig und Umgebung aufgegriffen!?
Das „Fachkräfte-Team Bad Belzigs“ jedenfalls wird am Freitag, dem 29. Mai 2026, das vor der „Corona-Zeit“ beliebte Format „Bad Belzig spielt!“ nunmehr wieder aufleben lassen.
Mindestens auf dem Außengelände des Seniorenwohnparks im Klinkengrund wird es dann Spiel und Spaß geben.
Dana Forderer, Quartiersmanagerin des Klinkengrundes